Fahrrad
20. November, 10:14 Uhr
In manchen Posts wurde ja bereits hier und da mal die "Fahrradstraße" auf der Rüttenscheider Straße in Essen angesprochen. Dazu gibt es jetzt neue Ergebnisse. Zunächst aber einmal etwas nötiger Hintergrund.
Die Rüttenscheider Straße in Essen ist mehr oder weniger die "Ausgehmeile" in Essen. Dort befindet sich viel Gastronomie und auch viele Geschäfte. Wobei es dort zwar auch Geschäfte zur Versorgung wie Supermärkte gibt, viele Geschäfte aber eher nicht so wichtige Sachen anbieten. Entsprechend lädt die Straße und die Gegend durchaus zum bummeln ein.
Die Straße und die Gegend sind auch recht nahe an der Innenstadt und parallel verläuft die Alfredstraße, welche eine Hauptverkehrsstraße ist und besonders für den Verkehr aus und zu dem Essener Süden genutzt wird. Mit dem ÖPNV ist die Rüttenscheider Straße (auch Rü) genannt sehr gut zu erreichen, wobei man vom Hauptbahnhof auch problemlos aus 10-15 Minuten laufen kann.
Hier mal eine kurze Übersicht. Rot ist die Alfredstraße, Blau die Rü.
[https://ibb.co/DYsCF41](https://ibb.co/DYsCF41)
Die Rü wird grundsätzlich besonders tagsüber von vielen Autos genutzt. Zum Teil weil es Stau auf der Alfredstraße gibt, aber auch aus anderen Gründen. Sehr viele Leute "halten mal kurz" um etwas zu Essen zu holen, oder um in ein Geschäft zu gehen. Parkplätze gibt es nicht gerade viele und auch wenn durchaus in den Seitenstraßen was frei ist zu der Zeit, ist das für viele Autofahrer zu "umständlich". Der Modus Operandi ist das man direkt vor einem Geschäft hält, gerne auch mal mit Warnblinker.
Bis zur "Umbau" gab es auch für Radfahrer teilweise einen schmalen Streifen auf dem Gehweg. Das sah dann im besten Fall so aus:
[https://ibb.co/Jm3jnQk](https://ibb.co/Jm3jnQk)
Das fahren dort sinnfrei ist, kann man sich denken.
​
Nun hat in 2019 die Deutsche Umwelthilfe die Stadt Essen verklagt was die Luftqualität angeht. Daraus resultierte dann 2019 ein Vergleich mit der Stadt Essen. Ziel der Stadt war es Dieselfahrverbote zu verhindern. Ein Ergebnis dieses Vergleiches ist dann auch die Fahrradstraße auf der Rü.
Ich hatte ja von "Umbau" gesprochen aber die Anführungszeichen sind hier nur stilistisch gewählt. Denn die Stadt hat im Grunde nichts umgebaut, sondern nur Schilder aufgehängt und einige Fahrbahnmarkierungen angebracht. Diese Markierungen waren nach einem Jahr schon zum Teil übrigens abgefahren. Warum, kann man sich auch denken. Denn ein typischer Tag auf der Rü sieht so aus:
[https://ibb.co/MVjFGfn](https://ibb.co/MVjFGfn)
[https://ibb.co/9tWmwHS](https://ibb.co/9tWmwHS)
Ich bin da öfters mal unterwegs und wenn man nicht im Stau steht dann sieht man dort mehr oder weniger durchgehend die üblichen Sachen.
* Man kann froh sein wenn man mit 20cm Abstand überholt wird
* Autos fahren wenn sie können zu schnell
* Es wird im Halteverbot geparkt
* Es wird auf der Straße geparkt
* Autos fahren auf die Gegenspur und überholen rücksichtslos
* Autos nehmen dir die Vorfahrt
Die Liste kann man jetzt noch weiter führen, ich denke aber es reicht als Erläuterung.
Seit es diese #NennMichNichtFahrradstraße gibt, gab es natürlich Kritik und Druck von Verbänden, Personen und der Umwelthilfe. Das mündete jetzt erstmal in einem Höhepunkt. Die Stadt hatte vor geraumer Zeit angekündigt die eine Evaluation vorzunehmen und diese Ergebnisse zu veröffentlichen und anschließend im Rat zu diskutieren. Diese Veröffentlichung wurde immer wieder verzögert und letztendlich musste dort auch wieder Druck aufgebaut werden mit mehreren formalen Anfragen. Seit einigen Tagen liegen diese Ergebnisse nun vor. Angucken kann man sich das hier:
[https://ris.essen.de/sdnetrim/UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZa-I0L59fKYmmtsBmJBPtjor1YwiYXkTamBtWU57a5uD/Vorlage\_1700-2021-6.pdf](https://ris.essen.de/sdnetrim/UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZa-I0L59fKYmmtsBmJBPtjor1YwiYXkTamBtWU57a5uD/Vorlage_1700-2021-6.pdf)
Die Ergebnisse verwundern nicht, denn einfach nur Fahrradstraße Schilder aufhängen und ein wenig Farbe, sind halt keine Infrastruktur.
Es fahren nicht weniger Autos als vorher. Der Radverkehr hat in der Tendenz sogar etwas abgenommen, wobei man hier auf die verschiedenen Tageszeiten gucken muss. Aber kaum jemand hat halt Bock im Stau zu stehen oder alle 20m von aggressiven Autofahrern fast ins Krankenheus gefahren zu werden.
Toll ist dann auch seit 2019 die Haltung des OB und der Stadt Essen. Da spielt man immer auf Zeit und lehnt auch konsequent wirkliche Baumaßnahmen ab. Es wird permanent auf Zeit gespielt und verzögert. Man will jetzt auch noch bis Mitte 2022 warten, weil die Polizei jetzt (erst) auch Geschwindigkeitsmessungen vornehmen soll.
So geht Mobilitätswende.