Fahrrad
06. Januar, 14:09 Uhr
Hallo r/Fahrrad,
ich besitze nun seit rund 1 1/2 Monaten das [Tenways C-GO 600 E-Bike](https://www.tenways.com/products/cgo600) und wollte ein kurzes, aber ehrliches Feedback hierzu vorstellen, weil ich auf Youtube nur (englischsprachige) Lobpreisungen finde, aber kaum bis keine echte Kritik.
Das Tenways C-GO 600 ist ein günstiges E-Bike aus Hong Kong, wird wohl aber in Europa zusammengebaut und - zumindest meins - aus den Niederlanden nach Deutschland verschickt. Gekauft habe ich das E-Bike für rund 1200 Euro über Indiegogo, als einer der ersten Backer. Der Preis ist seitdem etwas gestiegen und liegt aktuell bei rund 1700 Euro im offiziellen Onlineshop.
**Bestellung und Versand**
Von "Bestellung" bis zum Versand sind einige Wochen vergangen, was aber daran lag, dass es zu dem Zeitpunkt noch nicht voll hergestellt wurde, weil es noch eine Indiegogo-Kampagne war. Ärgerlicher war allerdings die Versandprozedur. Nachdem das Fahrrad endlich in den Versand gegeben wurde, dauerte es 2 volle Monate bis ich ein Lebenszeichen erhalten habe, nur um dann nach mehrmaligen Rückrufen bei DHL und dem Hersteller zu erfahren, dass mein Paket irgendwo auf dem Weg beschädigt wurde und wohl zurück zum Hersteller nach Niederlande geht. Dort verblieb es rund 2 Wochen ohne Feedback, bis es dann endlich ein zweites Mal auf Reise ging - ein neues Fahrrad wie man mir versicherte. Durch Corona und Co. hat es dann noch mal fast einen Monat gedauert, bis es endlich bei mir war.
**Aufbau**
Der Aufbau war dann relativ leicht, es gibt auch ein Onlinevideo zum Aufbau vom Hersteller selbst. Man muss nur das Vorderrad einbauen, den Lenker festmachen, das Vorderlicht und den Sattel. Wer die Schutzbleche mitbestellt hat, möge bitte unbedingt vorher darauf achten, bevor er die Vorderlampe und alles verkabelt und anbringt, weil das im Nachhinein mit dem Blech ein ziemliches Geirre ist. Ca. eine Stunde habe ich für den Aufbau gebraucht.
**Erste Testfahrt**
Natürlich wollte ich direkt eine erste Testfahrt durchführen, der Akku war rund 70% geladen, also hab ich mich auf die Straße gewagt. Es gibt drei Pedal-Assist-Stufen und auch die Möglichkeit die elektrische Unterstützung ganz auszuschalten. Da ich noch nie ein eigenes E-Bike hatte, war das erste Losfahren schon wirklich ein Aha!-Moment, selbst auf der niedrigsten Stufe 1. Durch den Drehmomentsensor in den Pedalen greift der Motor direkt wenn man in die Pedale tritt und so stark, wie er es für nötig hält. Das Anfahren ist dadurch ein Kinderspiel. Auf der Geraden finde ich aber die erste Stufe ein wenig zu lau, man ist zwar deutlich entspannter unterwegs als ohne Unterstützung, aber dafür bräuchte ich jetzt nicht unbedingt ein E-Bike. Stufe 2 sollte es also meiner Meinung nach mindestens sein.
**Alltag**
Im Alltag bin ich eigentlich fast immer mit der höchsten Stufe 3 unterwegs. Es ist ja nur ein unterstützender Motor, also muss man trotzdem etwas mitstrampeln, wenn auch nur sehr leicht. Was mir im Alltagsbetrieb nach rund 160 gefahrenen Kilometern auffiel bislang:
\- Die Abriegelung bei 25 (bei mir sinds 26) Km/h ist schon deutlich. Ich weiß nicht, wie andere E-Bikes das lösen, ist ja mit Sicherheit durch unsere Gesetze so bestimmt, aber über längere Zeit schneller als die 25 / 26 Km/h zu fahren, ist wirklich schwer und anstrengend. Man hat ständig das Gefühl, dass man gegen den Motor antritt
\- Der Drehmomentsensor funktioniert gut. Gerade beim Anfahren macht das wirklich viel aus. Stellenweise habe ich aber das Gefühl, dass ich an manchen Tagen besser und schneller zum vollen Tempo komme, und an anderen Tagen fühlt es sich so an, als wär der Akku schon etwas leerer, obwohl die Ladestände gleich waren.
\- Die angegebene Reichweite stimmt für mich nicht. Auf der Webseite werben sie mit 70 - 130 km Reichweite, aber auf der Stufe 3 lässt sich nicht mal die untere Grenze erreichen. Realistisch würde ich sagen, reicht der Akku für maximal 50 km auf der höchsten Stufe (ich wiege 90 Kilo / 1.90m). Insgesamt musste ich für die 160 km das Fahrrad 5 mal voll laden, wobei es die letzten Tage immer mal sehr kalt draußen war und das sich daher schlecht urteilen lässt.
\- Das Rücklicht ist nicht in das System integriert, sondern muss eigens angeschalten werden und auch eigens per micro-USB geladen werden. Der Akku hält aber durchaus lang - musste das Licht bisher einmal vorsorglich laden. Das Vorderlicht ist im System integriert und kann am Display eingeschalten werden. Warum das Rücklicht autark ist, verstehe ich nicht und wirkt etwas unlogisch.
\- Apropos Licht. Das Vorderlicht könnte wirklich heller sein. Es ist ein LED-Strahler, aber kein sehr heller. Der Lichtkegel ist zwar breit und streut weit nach vorne, aber es ist nicht hell aus subjektiver Sicht.
\- Ein Ständer wird standardmäßig nicht mitgeliefert. Die 5 Euro hätte man schon noch investieren können, denn die Argumentation, man brauche den Ständer im Alltag kaum, finde ich Quatsch.
\- Ihr solltet unbedingt den "Diebstahlschutz" am Display ändern. Der Standardcode ist immer gleich und dadurch kann jeder, der das Bike kennt, euren Pin ändern, wenn ihr z.B. gerade in einem Laden seid und euch damit aussperren. Finde ich wirklich unklug gelöst.
\- Das Bike ist 100% ein Rad für die Stadt. Es gibt keine Federung, die Griffe sind relativ billig und tun auf Dauer an den Händen weh. Der Motor hat auch nicht genügend Power, um euch auf steile Hänge zu bringen, für die normalen Steigungen in der Stadt reicht er aber voll aus. Gut, ich kann jetzt nur sagen, wie es in Berlin ist, aber das ist ja bekanntlicherweise nicht gerade ein Hochgebirge.
\- Seit heute lässt sich leider mein Boardcomputer nicht mehr anschalten. Ist wohl der Power-Button defekt / blockiert. Ich stehe schon im Kontakt mit dem Hersteller.
\- Apropos Hersteller. Der reagiert via E-Mail relativ schnell und freundlich. Maximal ein, zwei Tage muss man auf eine Antwort warten. Da ich jetzt ein konkretes Reparaturanliegen habe, kann ich noch einmal Rückmeldung geben, wie das funktioniert, denn das ist ja bei so Rädern aus Fernost häufig ein großer Knackpunkt.
**Erstes Fazit:**
Das Tenways C-GO 600 ist ein preiswertes City-E-Bike. Es ist mein erstes eigenes E-Bike und macht Spaß im Alltag. Die Akkureichweite ist deutlich geringer als angegeben. Für den Preis bekommt man aber einen Carbonriemen anstelle der Kette und einen Drehmomentsensor. Dinge, die ich sonst nicht in dieser Preisklasse entdecken konnte. Aber perfekt ist das Rad nicht. Die Reviews auf Youtube sind mir alle zu optimistisch, da hoffe ich, dass in der nächsten Zeit etwas mehr tiefgängigeres rauskommt, vor allem wenn sich dann erste Fehler, Mängel und Reparaturen zeigen.