Fahrrad
30. Oktober, 12:19 Uhr
Liebe Fahrrad Community,
da ich bei bestem Rad Wetter Zuhause vor mich hin sieche wollte ich eine kleine Diskussion anstoßen: Ich glaube das die Niederlande leider kein Vorbild für Stadtplanung und Radinfrastruktur sind, ich versuche meine Punkte zu erklären und bin gespannt auf eure Sicht.
Kurz zu mir: Ich habe vier Jahre in Utrecht gewohnt, bin dort täglich knapp 20 KM im Schnitt gefahren. Ich komme aus Berlin und lebe seit drei Jahren wieder hier, ich fahre täglich zwischen 15-30 km im normalen Verkehr und knapp 150km pro Woche mit dem Rennrad als Hobby. Ich habe noch ein Auto, zu einem um mein Rad und mich zu Rennen zu transportieren und da ich, noch, in einer Fernbeziehung bin.
\-Gegenargument Eins: In Deutschland haben wir einen zu großen Unterschied zwischen den Radfahrenden.
In Berlin sind Radler viel unterschiedlicher unterwegs als in den NL. Hier gibt es krasse Unterschiede zwischen den Rädern, der eigenen Geschwindigkeit, dem Fahrverhalten und der Etiquette. In den NL haben meiner Erfahrung nach 90% das gleiche Rad und das gleiche Fahrverhalten. Es gibt ein natürliches Verständnis wie man Fahrrad fährt. In D muss man deutlich umsichtiger und vorausschauender fahren. Durch das unterschiedliche Verhalten geht ein viel größeres Risiko von anderen Radlerinnen und einem selber aus, etwas das in den NL viel geringer ist. Vor Allem erkenntlich durch Touristen und ungeübte Fahrerinnen die oft in schlimme Unfälle verwickelt sind. In den POV Videos aus den Niederlanden kommen natürlich die Rollerfahrer und die häufigen Unfälle nicht vor, in meiner Zeit habe ich in den Niederlanden deutlich mehr Unfälle gesehen als hier in Berlin, oft waren eben Roller involviert und Fußgänger. Dafür sind diese Unfälle nicht so Lebensgefährlich wie sie hier schnell sein können.
\- Gegenargument Zwei: In den NL gibt es viel weniger Radfahrerinnen.
Die Radkultur ist komplett unterschiedlich, in Deutschland würden sich wahrscheinlich die meisten Menschen die das Rad als Fortbewegungsmittel nutzen als Radfahrer oder Radfahrerinnen bezeichnen. Das gibt es in NL gar nicht, das ist eine Hürde die so in Deutschland existiert. Ich würde mir wünschen das es anders wäre, leider sehe ich nicht das dieser Unterschied überwunden wird. Radpolitik in den NL ist immer Politik für alle da eben fast alle Menschen das Rad oder den Radweg benutzen, es gibt einige Hardcore Moped Fahrer die nie das Rad benutzen.
\- Gegenargument Drei: Deutschland an sich ist einfach zu verschieden.
Bei uns unterscheiden sich die Städte und die Bundesländer einfach zu sehr von einander. Während in den NL auf jedem Dorf und in jeder Stadt Rad gefahren wird ist das hier leider nicht der Fall. D ist eben ein Flächenland, in den NL kann man in jeder Stadt gleich Rad fahren und die meisten pendeln von Stadt zu Stadt. In Amsterdam leben zum Beispiel "nur" 800.000 Menschen während sich die Stadt viel größer anfühlt weil viel mehr Menschen pendeln und dafür auch das Rad nutzen können. In Deutschland wird außerhalb von manchen Metropolregionen das Auto sehr wichtig bleiben, entweder durch geringe Bevölkerungs- und Siedlungsdichte, Geografische Gegebenheiten und Regionale Politik. Auch wenn die Niederländer kulturell schon unterschiedlich sind trotz der Größe des Landes sind Sie in der Infrastruktur fast identisch, da die Niederlanden extrem dicht besiedelt sind (außer Friesland ;) ).
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Entschuldigt die Wall of Text. Es gibt natürlich einige Beispiele in Deutschland die schon in Deutschland sehr ähnlich zu den NL sind, hier denke ich an Münster oder Oldenburg. Trotzdem glaube ich das wir leider nie an Niederländische oder Dänische Verhältnisse rankommen werden, dafür sind wir eben zu individualistisch als Bevölkerung. Während unsere Nachbarn in vielen Belangen deutlich kollektivistischer sind, vor Allem auf dem Rad.
Liebe Grüße an alle die heute auf dem Rad sind,
Otto